Mir scheint, das ist so allgemeiner gesellschaftlicher Konsens, dass unsere Religiösität und speziell unser christlicher Glaube Privatsache ist, die keinen was angehet. Folglich hat es mich nicht zu interessieren, was mein Nächster so glaubt – ist ja seine Privatsache. Aber wie steht Jesus dazu? In Mt. 5 sagt er zu seinen Jüngern erst, sie seien Salz der Welt, dann auch Licht der Welt:
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen. Matthäus 5,14-16
Man beachte den Wirkungskreis: WELT. Er sagt nicht: Ihr seid Licht von Jerusalem oder gar Licht von Israel – nein Licht gleich für die ganze Welt! Ok, jetzt kann man ja noch argumentieren: Ja schön, wir Christen sollten mit gutem Vorbild voran gehen und somit leuchten. Das wäre eine passive Aktion und keine aktive Mission. Damit rücke ich meinem Nächsten nicht auf den Pelz.
In Lukas 10 sendet Jesus 72 Jünger paarweise aus, also 36 Teams:
1 Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. 3 Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. 8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. 9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe! 16 Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab (…) 17 Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und sagten voller Freude: Herr, sogar die Dämonen sind uns in deinem Namen untertan. 18 Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. 19 Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über die ganze Macht des Feindes. Nichts wird euch schaden können.
Im letzten Markuskapitel gibt Jesus die darüber hinaus die allgemeine Handlungsanweisung für alle seine Jünger:
Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! (Mk 16,15)
Für uns ist es damit keine Option, Jesus sagt nicht, „wäre nett, wenn ihr verkünden würdet“, sondern es ist ein Befehl. Und wem sollen wir verkünden? Der ganzen Schöpfung, also ALLEN. D.h. nicht nur denen, die das Evangelium vermutlich annehmen werden, sondern auch denen, die es sehr wahrscheinlich nicht annehmen werden. Warum? Weil wir keinen Einblick in die Seelen der anderen haben. Es ist immer Gott, der die Gnade des Glaubens schenkt. Unsere Aufgabe aber ist das Säen.
Und die ersten Christen folgten noch dem Befehl Jesu, wie wir in Apg 8,4 nachlesen können: „Die Gläubigen, die zerstreut worden waren, zogen umher und verkündeten das Wort.“ Dabei ist es klug, den Erfolg des Säens durch Gebet zu erhöhen:
19 Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. 20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18, 19-20)
Weiterhin wird das Evangelizum da häufiger und nachhaltiger angenommen, wo das Reich Gottes – was ja bereits mitten unter uns ist (Lk 17, 21) – durch Zeichen und Wunder demonstriert wird. Das sehen wir nicht nur bei Jesus selbst, sondern die Erfahrung hat auch Paulus gemacht: „Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden“ (1Kor 2,4). Kraftvoll wirken wir insbesondere dann, wenn wir aus dem Bewußtsein unserer Identität als Kind Gottes heraus beten und handeln.
Zu unserer Identität als Kind Gottes siehe auch Predigt vom 11.08.2026 zu : Link
Wer in der Identität als Kind Gottes weiter wachsen will, dem sei die (online-) Jüngerschaftsschule von Encounter Ministries empfohlen; sie beginnt jetzt wieder im September: https://de.encounterschool.org/online/
Titelfoto von Steven Biak Ling auf Unsplash
